Liechtensteins Casino-Branche im freien Fall: Sperrlistenaustausch beendet lukratives Geschäft

Die Flagge von Liechtenstein und ein geschlossenes Casino

Das Ende des Casino-Booms: Liechtenstein verliert durch Sperrlistenaustausch bis zu 85 Prozent Umsatz

Seit Anfang 2025 gilt ein Sperrlistenabkommen zwischen der Schweiz und Liechtenstein. Die Folgen sind drastisch: Umsatzeinbrüche von bis zu 85 Prozent, mehrere Schließungen und eine Branche am Abgrund. Der Grund: Rund 100.000 Schweizer Spieler dürfen nicht mehr über die Grenze.

Die Liechtensteiner Casino-Branche erlebt einen dramatischen Einbruch. Durch den Austausch der Spielsperrlisten mit der Schweiz, der seit Januar 2025 in Kraft ist, können in der Schweiz gesperrte Personen nicht mehr in den Spielbanken des Fürstentums spielen. Die wirtschaftlichen Folgen sind verheerend und werfen grundsätzliche Fragen über das Geschäftsmodell auf.

Vom Boom zum Kollaps in zwölf Monaten

Noch 2024 feierte die Branche Rekorde. Die Liechtensteiner Casinos erwirtschafteten einen Bruttospielertrag von 140,8 Millionen Franken. Die Staatskasse freute sich über 52,8 Millionen Franken aus der Geldspielabgabe – eine beachtliche Summe für das kleine Fürstentum mit knapp 40.000 Einwohnern.

Dann kam der 1. Januar 2025. Seither gelten Spielsperren aus der Schweiz auch in Liechtenstein. Das Resultat: Im ersten Quartal 2025 brachen die Bruttospielerträge um 59 Prozent ein, wie das Liechtensteiner Ministerium für Inneres, Wirtschaft und Sport den Zeitungen von CH Media bestätigte. Einzelne Betrieber melden Rückgänge von bis zu 85 Prozent.

Von den sechs Casinos, die Ende 2024 noch in Betrieb waren, mussten bereits zwei schließen. Besonders symbolträchtig war das Ende des Casino Admiral in Ruggel im September 2025. Das Haus hatte 2017 als erstes Casino in Liechtenstein eröffnet. Nach einem Umsatzrückgang von 63 Prozent war Schluss. Selbst der Casinoverband Liechtenstein löste sich mittlerweile auf.

100.000 Schweizer als Geschäftsgrundlage

Rund 100.000 Schweizerinnen und Schweizer sind vom Sperrlistenabkommen betroffen, wie Recherchen von CH Media zeigen. Diese beeindruckende Zahl erklärt den Kollaps. Die Casino-Branche hatte ihr Geschäftsmodell offensichtlich auf eine Klientel ausgerichtet, die in der Schweiz nicht mehr spielen durfte.

Der Hintergrund: 2019 führte die Schweiz Online-Konzessionen für Casinos ein. Die Folge war eine Explosion der Spielsperren. Während zuvor jährlich rund 3.500 Sperren ausgesprochen wurden, stieg die Zahl bis 2024 auf über 18.000 pro Jahr. All diese Menschen aus den Schweizer Casinos konnten bis Ende 2024 problemlos nach Liechtenstein fahren und dort weiterspielen.

Zeitweise verfügte das Fürstentum über ein Casino pro 5.000 Einwohner – eine außergewöhnlich hohe Dichte, die Liechtenstein den Beinamen „Las Vegas der Alpen“ einbrachte. Die Geschichte war allerdings kurz. Erst 2010 wurde das seit 1949 bestehende Glücksspielverbot aufgehoben. In den Jahren nach 2017 entstanden zehn Casino-Betriebe.

Regierung begrüßt, was die Branche ruiniert

Die politischen Fronten sind klar. Die Regierung und weite Teile der Liechtensteiner Politik begrüßen das Sperrlistenabkommen aus Gründen des Spielerschutzes. Aus dieser Perspektive schließt die Regelung eine problematische Lücke: Personen, die sich in der Schweiz vom Glücksspiel ausschließen ließen, konnten ihre Sperre durch einen Besuch in Liechtenstein umgehen.

Bereits vor dem Inkrafttreten des Abkommens hatte die Regierung den Druck erhöht. Sie hob die Geldspielabgabe an, überarbeitete die Vorgaben für das Verhältnis von Spieltischen zu Automaten und verhängte ein Bewilligungsmoratorium bis Ende 2025. Eine Verfassungsinitiative für ein komplettes Casino-Verbot im Fürstentum sorgte für zusätzliche Unsicherheit.

Die verbliebenen Casino-Betreiber sehen sich existenziell bedroht. Martin Frommelt, Sprecher des Casino Schaanwald, kritisiert gegenüber CH Media:

„Die Politik hat entgegen ihren Ankündigungen und Versprechen, den Markt spielen zu lassen, laufend in den Markt eingegriffen und die Rahmenbedingungen massiv verschlechtert.“

Die Branche fordert eine Rückkehr zu den alten Regelungen oder zumindest staatliche Unterstützung. Der Casinoverband ging zunächst gerichtlich gegen den Sperrlistenaustausch vor. Die Regierung machte daraufhin einige kleine Zugeständnisse: flexiblere Tischöffnungszeiten und Anpassungen bei den Gratisspielabgaben.

Eine staatliche Unterstützung lehnt die Regierung bisher ab. Die politische Stimmung im Fürstentum scheint wenig geneigt, eine Branche zu subventionieren, die maßgeblich von gesperrten Spielern aus dem Nachbarland profitierte.

Ein Geschäftsmodell auf wackligem Fundament

Der Zusammenbruch der Umsätze wirft eine zentrale Frage auf: Wie groß war der Anteil der Personen, die in der Schweiz vom Glücksspiel ausgeschlossen waren? Die dramatischen Rückgänge legen nahe, dass dieser Anteil erheblich war – möglicherweise die Mehrheit der Kunden.

Aus Sicht des Spielerschutzes ist dies problematisch. Das Geschäftsmodell basierte offensichtlich darauf, Menschen anzuziehen, die sich in ihrem Heimatland vom Glücksspiel hatten ausschließen lassen – sei es aufgrund von Suchtproblemen, finanziellen Schwierigkeiten oder anderen Gründen.

Unabhängig vom Sperrlistenaustausch stellt sich die Frage, ob der Markt jemals zehn oder mehr Casinos nachhaltig tragen konnte. Mit knapp 40.000 Einwohnern war die Branche von Anfang an auf ausländische Gäste angewiesen. Die Konzentration auf Schweizer Spieler, die in ihrem Heimatland nicht mehr spielen durften, erscheint rückblickend als riskante Strategie. Die Branche machte sich von einer regulatorischen Lücke abhängig, die jederzeit geschlossen werden konnte.

Eine ungewisse Zukunft

Von den ursprünglich zehn Casino-Betrieben sind Stand Anfang 2026 noch vier aktiv. Ob auch diese langfristig überleben können, ist fraglich. Die Betriebe müssen sich auf einen grundlegend veränderten Markt einstellen, der vorwiegend aus einheimischen Spielern und Schweizer Gästen besteht, die nicht gesperrt sind.

Mögliche Szenarien für die Zukunft umfassen eine Konsolidierung auf wenige kleinere Betriebe, weitere Schließungen oder sogar eine komplette Aufgabe des Casino-Geschäfts im Fürstentum. Die Verfassungsinitiative für ein Casino-Verbot zeigt, dass es erhebliche Vorbehalte gegen die Branche gibt.

Der Fall Liechtenstein zeigt, wie wichtig klare rechtliche Rahmenbedingungen im Glücksspielbereich sind. Auch in Deutschland sorgte die Einführung legaler Online Casinos für eine grundlegende Neuordnung des Marktes und strengere Kontrollen beim Spielerschutz.

Avi Fichtner - Gründer und Redakteur von spielbank.com.de
Avi Fichtner Gründer und Redakteur von spielbank.com.deAktualisiert: 01.02.2026

Avi Fichtner hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Aus dem Interesse an Casino Spielen und Poker entstand ein Startup, das heute ein erfolgreiches Unternehmen im Glücksspiel-Bereich ist. Avi und sein Team testen professionell Online Casino Anbieter und teilen ihre persönlichen Erfahrungen. Avi lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Berlin und ist passionierter Taucher und Ausdauersportler.

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