Stellt euch vor, ihr müsst unter Beobachtung und Zeitdruck komplizierte Beträge im Kopf addieren. Das Ergebnis entscheidet über euren beruflichen Erfolg. Genau das passierte gestern in Bad Kissingen – und es lief anders als geplant. Bei der dritten Bavarian Dealer Championchip sorgte eine Rechenaufgabe für kollektives Kopfzerbrechen. Niemand der 17 Teilnehmenden kam im ersten Anlauf auf die korrekten Summen von 861 und 975 Euro.
Das zeigt ganz gut, dass der Job am Spieltisch eben doch mehr ist als nur schicke Kleidung und ein lockeres Händchen für Karten. Es ist Hochleistungssport für das Gehirn.
Wenn der Kopf raucht: Das Mathe-Dilemma
In der Spielbank Bad Kissingen traten die besten Croupiers aus dem ganzen Freistaat an. 16 Männer und eine Frau wollten den Titel. Die Disziplin „Best Mathematician“ gilt dabei oft als Königsdisziplin.
Die Aufgabe: Auszahlungen beim Roulette berechnen. Die Chips liegen dabei wild verteilt, übereinander und nebeneinander. Mal gibt es den 35-fachen Einsatz zurück, mal den vierfachen. Anders als in Echtgeld Online Casinos, wo eine Software die Gewinne in Millisekunden verbucht, müssen hier die grauen Zellen die Arbeit erledigen – ganz ohne digitale Hilfe.
Dass im ersten Durchgang alle scheiterten, ist ungewöhnlich und macht die Sache menschlich. Erst ein Stechen brachte die Entscheidung. Hier behielt Josip Filipovic aus Bad Wiessee die Nerven und holte sich den Sieg in dieser Teilkategorie.
Der Gesamtsieger kommt aus Garmisch
Am Ende zählt aber das Gesamtpaket. Neben dem Rechnen müssen Croupiers perfekte Gastgeber sein, den Überblick behalten und technisch sauber arbeiten. In der Gesamtwertung setzte sich Sebastian Streitel von der Spielbank Garmisch-Partenkirchen durch. Er darf sich nun Bayerischer Meister nennen.
„Ich habe intensiv trainiert“, sagte Streitel nach seinem Sieg. Für ihn und den Zweitplatzierten, Filip Svach aus Bad Wiessee, ist die Reise damit noch nicht zu Ende. Beide fahren Ende April nach Berlin zur Deutschen Meisterschaft. Dort messen sie sich mit der nationalen Elite. Svach war übrigens der heimliche Star der Nebenkategorien. Er räumte Preise ab, wenn es darum ging, Chips zu sortieren oder präzise über den Tisch zu schieben. Die Titel „Best Chipper“ und „Best Cutting Chips“ gehören nun ihm.
Mehr als nur Karten verteilen
Was diesen Wettbewerb so interessant macht, sind die Details, die wir als normale Gäste oft übersehen. Habt ihr schon mal darauf geachtet, wie ein Croupier die Chips schiebt? Die Disziplin „Best Pushing Stacks“ testet genau das. Türme aus Jetons müssen einhändig über das Filz bugsiert werden, ohne dass auch nur ein Plättchen wackelt oder fällt.
Andreas Voll, ein Veteran aus dem Bad Kissinger Team mit 25 Jahren Erfahrung, brachte es auf den Punkt: Im normalen Alltag schiebe man selten so viele Blöcke auf einmal. Für den Wettbewerb sei das eine künstliche Erschwernis, die absolute Kontrolle verlangt. Voll und sein junger Kollege Dario Hernandez-Tirado, gerade einmal 21 Jahre alt, konnten den Heimvorteil zwar nicht für einen Treppchenplatz nutzen, schlugen sich aber wacker. Gewinner der Kategorie wurde hier Filip Svach.
Besonders beim Blackjack oder Roulette müssen die Fingerfertigkeit und die soziale Kompetenz stimmen. Karten fliegen in hohem Tempo über den Tisch, landen exakt dort, wo sie hinsollen, und nebenbei führt der Croupier noch ein freundliches Gespräch. Jessica Kössler aus Lindau zeigte hier beim „Card Handling“ das größte Geschick.
Warum das wichtig ist
Solche Meisterschaften wirken auf den ersten Blick wie interne Spielereien. Sie zeigen uns aber, wie viel Training in dem Beruf Croupier steckt. Wir sehen oft nur das Ergebnis – das flüssige Spiel. Die harte Arbeit dahinter, die ständige Konzentration und das Kopfrechnen unter Lärm und Blicken bleiben meist unsichtbar.
Sebastian Streitel und Filip Svach haben jetzt ein paar Monate Zeit, um ihre Mathe-Skills und ihre Fingerfertigkeit weiter zu polieren. In Berlin wartet starke Konkurrenz. Und vielleicht klappt es dann auch auf Anhieb mit der Rechnung.
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