Während viele kleine Spielhallen im Land um ihre Existenz bangen, wird in den staatlich konzessionierten Spielbanken um die Verteilung der Gewinne gerungen. Am Mittwoch ist die erste Tarifrunde unter dem neuen Eigentümer Merkur gestartet. Die Gewerkschaft ver.di macht Druck – vor allem beim Thema Gleichbehandlung.
In Hannover ist der Startschuss gefallen: Seit vergangenem Mittwoch (07. Januar 2026) sitzen sich die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Arbeitgeberseite der Merkur-Spielbanken-Niedersachsen GmbH am Verhandlungstisch gegenüber. Es ist die erste Bewährungsprobe für die Sozialpartnerschaft, seitdem die zehn niedersächsischen Spielbanken im Juli 2025 den Besitzer wechselten und nun zur ostwestfälischen Merkur Group gehören.
Für die rund 430 Beschäftigten an den Standorten von Norderney bis Göttingen geht es um mehr als nur Inflationsausgleich. Die Gewerkschaft hat ein klares Forderungspaket auf den Tisch gelegt und in einer Pressemitteilung veröffentlicht: Sieben Prozent mehr Gehalt sowie strukturelle Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen.
„Bitter nötig“: Kampf gegen Niedriglöhne
Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen mit der wirtschaftlichen Schieflage vieler Angestellter. Martina Haack, Verhandlungsführerin von ver.di, hatte bereits im Vorfeld der Gespräche die Dringlichkeit betont:
Trotz gestiegener Abgaben an das Land Niedersachsen erwirtschaften die Spielbanken nach Einschätzung der Arbeitnehmervertreter gute Gewinne. „Das ist auch ein Verdienst der Kolleginnen und Kollegen. Deshalb müssen sie auch davon profitieren“, so Haack.
Die Situation bei den staatlich konzessionierten Spielbanken steht damit in einem scharfen Gegensatz zur Lage im privaten Sektor. Während hier über Gewinnbeteiligungen verhandelt wird, kämpfen private Betreiber ums Überleben. Aufgrund strengerer Gesetze und Abstandsregeln herrscht aktuell eine ungewisse Zukunft für Spielhallen-Beschäftigte in Niedersachsen, denen vielerorts Jobverluste durch Standortschließungen drohen. In den Merkur-Spielbanken hingegen ist Arbeitsplatzsicherheit derzeit weniger das Thema als vielmehr die Höhe der Entlohnung – auch wenn der Wettbewerb durch legale Online Casinos stetig wächst.
Ungleichbehandlung im Fokus: Saal vs. Verwaltung
Ein zentraler Streitpunkt der am Mittwoch begonnenen Gespräche ist die historische Ungleichbehandlung innerhalb der Belegschaft. Der aktuelle Tarifvertrag unterscheidet stark zwischen den Mitarbeitern im klassischen Spielbetrieb („im Saal“) und den Angestellten in der Verwaltung.
ver.di fordert hier eine Harmonisierung. Konkret sollen Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie bezahlte Pausen künftig für alle Beschäftigten gleichermaßen gelten. Bislang profitieren oft nur Verwaltungsangestellte von bestimmten Regelungen, während das Servicepersonal im Spielsaal der Spielbanken in Niedersachsen das Nachsehen hat.
Zweite Runde Ende Januar
Die Gespräche betreffen Mitarbeiter an insgesamt zehn Standorten: Bad Bentheim, Bad Pyrmont, Bad Zwischenahn, Braunschweig, Göttingen, Hannover, Norderney, Osnabrück, Seevetal und Wolfsburg.
Dass es bereits in der ersten Runde am Mittwoch zu einem Abschluss kommen würde, war angesichts der umfangreichen Forderungen nicht zu erwarten. Die Positionen werden nun sondiert. Der Blick richtet sich bereits auf den 27. Januar 2026 – für dieses Datum ist die zweite Verhandlungsrunde terminiert. Bis dahin hoffen die Beschäftigten auf ein Signal des neuen Eigentümers, dass die „guten Gewinne“ auch bei der Belegschaft ankommen.
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