Die britische Glücksspielkommission erhebt schwere Vorwürfe gegen Meta wegen mangelhafter Kontrolle illegaler Glücksspielwerbung auf Facebook und Instagram. Das Problem ist nicht auf Großbritannien beschränkt. Auch in Deutschland fließen jährlich Millionensummen in nicht genehmigte Kampagnen.
Britische Aufsicht kritisiert mangelnde Kontrolle
Die UK Gambling Commission hat öffentlich erklärt [Artikel auf Englisch], dass auf den von Meta betriebenen sozialen Netzwerken systematisch Anzeigen für unlizenzierte Glücksspielanbieter geschaltet werden. Diese Werbung richtet sich an Millionen Nutzer, darunter schutzbedürftige Personen und Minderjährige. Die Behörde bemängelt, dass die internen Kontrollsysteme des Konzerns nicht ausreichen, um solche Verstöße zu erkennen und zu unterbinden.
In Großbritannien dürfen nur Anbieter mit gültiger Lizenz für ihre Dienste werben. Die Kommission verweist darauf, dass Meta seiner Verantwortung nicht gerecht wird, diese regulatorischen Vorgaben durchzusetzen. Die Kritik reiht sich ein in eine wachsende internationale Debatte über die Verantwortung von Tech-Konzernen bei der Moderation von Werbeinhalten.
Deutschland: 250 Millionen Euro für illegale Werbung
Das Problem beschränkt sich nicht auf den britischen Markt. In Deutschland verstoßen zahlreiche auf Meta geschaltete Anzeigen gegen den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV), der seit 2021 Werbung für nicht lizenzierte Online Casinos verbietet. Jährlich werden rund 250 Millionen Euro in illegale Glücksspielwerbung auf Facebook und Instagram investiert. Mehr als die gesamte legale Branche ausgibt.
Illegale Glücksspielwerbung: Die Zahlen
- 250 Millionen Euro jährlich für nicht genehmigte Kampagnen auf Meta
- Über 75.000 illegale Anzeigen allein im Oktober 2025 in Metas Werbebibliothek
- 20 Millionen Euro Steuerverluste monatlich durch den Schwarzmarkt
- 16 Milliarden US-Dollar erzielt Meta global mit betrügerischer Werbung (ca. 10 % des Gesamtumsatzes)
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine Whitelist mit zugelassenen Anbietern, doch Meta ignoriert diese weitgehend. Anders als in regulierten Märkten fehlt der GGL die rechtliche Handhabe, um den Konzern direkt zu sanktionieren. Anzeigen werden erst nach Meldung entfernt. Aber zu diesem Zeitpunkt haben sie oft bereits Millionen erreicht.
Klagen und konkrete Fälle
Die Spielbank Stuttgart hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen Meta einzuleiten. Der Grund: Betrügerische Anzeigen missbrauchen den Namen der Spielbank, um Nutzer zu unlizenzierten Casinos zu locken. Ähnliche Warnungen gibt es vom Casino Baden-Baden. In beiden Fällen wurden Opfer dokumentiert, die auf gefälschte Werbung hereingefallen sind.
Die Methoden sind perfide. Algorithmen sprechen gezielt Personen mit Spielsucht-Verlauf an, Deepfakes und gefälschte Prominenten-Empfehlungen sollen Vertrauen erzeugen. Der Schwarzmarkt umgeht nicht nur Steuern, sondern auch jeglichen Spielerschutz. Etwa Einzahlungslimits oder Selbstsperr-Systeme, wie sie legale Online Casinos in Deutschland bieten müssen.
Rechtliche Schritte und wachsender Druck
Für Meta könnten die Vorwürfe rechtliche und wirtschaftliche Folgen haben. Die britische Kommission prüft Sanktionen, und auch in Deutschland wächst der Druck auf die Politik, Tech-Konzerne stärker in die Pflicht zu nehmen. Seriöse Online Casinos leiden unter Wettbewerbsverzerrung und Reputationsschäden, während der Schwarzmarkt floriert.
Die Auseinandersetzung zeigt, wie dringend eine internationale Regulierung von Werbeinhalten auf globalen Netzwerken ist. Solange Aufsichtsbehörden keine direkten Durchgriffsmöglichkeiten haben, bleibt die Durchsetzung nationaler Gesetze lückenhaft. Meta hat sich bislang nicht umfassend zu den Vorwürfen geäußert.
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