Mann im Anzug unterschreibt mit Kugelschreiber ein Dokument.

Glücksspielstaatsvertrag 2021: die wichtigsten Neuerungen

Seit nun mehr 13 Jahren befindet sich das Glücksspiel in einer intransparenten Rechtslage. Als sich 2008 die Ministerpräsidenten der Bundesländer auf den ersten Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) geeinigt hatten, verfolgte die Politik noch eine restriktive und monopolistische Herangehensweise. Das änderte sich zwar in den Folgejahren, die vielen Reformversuche hatten jedoch einen undurchsichtigen Rechtsrahmen zur Folge. Der 01. Juli 2021 soll das nun alles vergessen machen, denn dann tritt der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft.

Eine neue Zeitrechnung

Mit der neuen Gesetzgebung soll der deutsche Glücksspielmarkt sowohl liberalisiert als auch vereinheitlich werden. Die Bundesländer haben im Verbund den Gesetzesentwurf auf die Beine gestellt und auch die Ratifizierung in den einzelnen Landtagen war erfolgreich. Ein Alleingang wie ihn Schleswig-Holstein seiner Zeit gewagt hatet, gibt es also nicht. Dafür war es der Politik zu wichtig, die wachsende Glücksspielbranche an die modernen Standards anzupassen. Diesbezüglich spielte die Legalisierung des Online-Glücksspiels eine essenzielle Rolle.

Mit Inkrafttreten des GlüStV beginnt eine zehnmonatige Testphase, in der sich Online-Casinos und Sportwettenanbieter um eine deutsche Glücksspiellizenz bewerben dürfen. Diese erlaubt es den einzelnen Betreibern, ihr Online-Angebot legal in der Bundesrepublik zu offerieren. Der Erwerb der Lizenz ist dabei an hohe Anforderungen und Qualitätsstandards geknüpft. Zudem müssen sich die jeweiligen Anbieter an sämtliche Kriterien des neuen Glücksspielstaatsvertrags halten.

Spieler- und Jugendschutz

Mit der Legalisierung des Online-Glücksspiels will die Politik vor allem den Spieler- und Jugendschutz gezielt verstärken. Da in den letzten Jahren das Zocken in Online-Casinos immer beliebter geworden ist, war eine strukturierte Liberalisierung des hiesigen Glücksspielmarktes nur eine Frage der Zeit. So betonten Politik, Experten und Branchenakteure wiederholt, dass nur ein staatlich konzessioniertes Spielangebot ein Höchstmaß an Spieler- und Jugendschutz gewähren könne.

Durch ein legales Spielangebot soll der Kanalisierungsauftrag erfüllt und die Spielerschaft entsprechend geschützt werden. Letzteres erwies sich insbesondere in jüngerer Vergangenheit als äußerst schwierig, da immer mehr Online-Casinos und Plattformen mit Glücksspielangeboten auf den Markt drängten. Viele der Anbieter wurden dabei nicht als seriös oder als unsicher eingestuft, was die Spieler einem Risiko aussetzte und letztlich den Schwarzmarkt beflügelte.

Schutz durch Sperrdatei

Um die Zocker im Netz wirksam schützen zu können, hat die Politik im neuen GlüStV mehrere Sicherheitsmaßnahmen verankert. So soll unter anderem verhindert werden, dass zu exzessiv, zu oft und bei mehreren Anbietern gleichzeitig gespielt wird. Die Erfassung personenbezogener Daten, die Auskunft über das Spielverhalten geben, nehmen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein.

Die gesammelten Informationen werden in eine zentrale spielformübergreifende Sperrdatei zusammengetragen. Dabei werden sowohl die Online- als auch die Offline-Aktivitäten getrackt. Spielende, die eine Sportwette abschließen, eine Spielhalle besuchen oder im Internet in einem Online-Casino zocken wollen, erhalten erst eine Erlaubnis, wenn die Sperrdatei kein auffälliges oder exzessives Spielverhalten erkennen. Durch diese spielformübergreifende Kontrolle soll ein konstantes Schutzniveau gewährleistet werden.

Einzahlungslimit von 1.000 Euro

Eine weitere und vieldiskutierte Sicherheitsmaßnahme ist das beschlossene Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Dieser maximale Spieleinsatz gilt sowohl für das Online- als auch das Offline-Glücksspiel und bezieht sich auf die monatlichen Ausgaben. Dadurch entfällt die Möglichkeit, dass sich Spielende selbst ein Limit für Spieleinsätze oder Einzahlungen setzen. Der Gesetzgeber will so Spielsucht vorbeugen.

Das Einzahlungslimit ist an die sogenannte Limitdatei gebunden, die die Ausgaben einzelner Personen überwacht und eine Überschreitung sofort erkennen soll. Die Anwendung und Umsetzung dieser Limitdatei hat in der Branche für viel Gesprächsstoff gesorgt, da vor allem Dachverbände und Sicherheitsbeauftragte Sorge haben, dass die Spielerschaft ohne großen Aufwand den maximalen Einsatz überschreiten können. Zeitgleich sorgt die Tatsache, dass die Limitdatei erst für das Jahr 2023 geplant ist, für noch mehr Unmut.

Avi Fichtner – Autor von Spielbank.com.de

Avi Fichtner hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Aus dem ursprünglichen Interesse an Casino Spielen und Poker entstand ein Startup, welches heute ein erfolgreiches Unternehmen im Glücksspiel-Bereich ist. Avi und sein Team testen professionell Casinoanbieter und teilen auf dieser Seite ihre persönlichen Erfahrungen.