Die deutsche Merkur Group will den Glücksspielmarkt USA grundlegend verändern. Der Konzern aus dem ostwestfälischen Espelkamp exportiert bereits hunderte Spielautomaten nach Nordamerika und hat im September 2025 den Las-Vegas-Spezialisten Gaming Arts übernommen. Das Ziel: 5.000 Geräte pro Jahr.
Die Rückkehr nach Nevada: Merkurs strategischer Neustart in den USA
Bereits 1998 unternahm das Unternehmen einen ersten Versuch, sich im nordamerikanischen Markt zu etablieren. Der Erfolg war mäßig, 2008 wurde die US-Tochtergesellschaft an einen amerikanischen Konkurrenten verkauft. Knapp zwei Jahrzehnte später kehrt Merkur mit einer wesentlich fundierteren Strategie zurück.
Im Mai 2025 erteilte die Nevada Gaming Commission dem Konzern eine Lizenz zur Herstellung und zum Vertrieb von Spielgeräten im US-Bundesstaat. Gleichzeitig genehmigte die Behörde die vollständige Übernahme von Gaming Arts LLC, die am 15. September 2025 offiziell abgeschlossen wurde.
Durch die Integration des in Las Vegas ansässigen Unternehmens entsteht eine transatlantische Arbeitsteilung. Die Hardware-Produktion bleibt am Standort Lübbecke in Ostwestfalen verankert, während Gaming Arts die Software-Entwicklung für den US-Markt übernimmt. Kulturelle und spielmechanische Vorlieben der amerikanischen Zielgruppe lassen sich so präzise bedienen, ohne auf eine bloße Adaption europäischer Spielkonzepte zu setzen.
5 schnelle Fakten zur USA-Expansion
- Marktvolumen: In den USA stehen schätzungsweise eine Million Spielautomaten, ein erheblicher Anteil davon in Las Vegas (Nevada).
- Aktueller Export: Merkur verschifft derzeit jährlich 800 bis 1.000 Geräte aus Lübbecke nach Nordamerika.
- Zielvorgabe: Ab dem dritten Jahr der Expansion sollen es pro Jahr 5.000 Automaten sein.
- Gaming Arts: Das übernommene Unternehmen beschäftigt 68 Mitarbeiter und entwickelt Slots, Bingo, Keno sowie elektronische Tischspiele für den US-Markt.
- Globale Reichweite: Merkur ist in über 90 Ländern aktiv, Gaming Arts hält Lizenzen in mehr als 155 Jurisdiktionen.
David gegen Goliath: Die Marktkonzentration im Glücksspielmarkt USA
Wer den Glücksspielmarkt USA analysiert, stößt auf eine gewachsene Konzentration, die den Wettbewerb faktisch auf wenige Platzhirsche reduziert hat. Aus einst rund zehn relevanten Automatenherstellern sind heute im Wesentlichen drei übrig geblieben: Aristocrat Gaming, IGT und Light & Wonder.
Genau dieser Umstand öffnet Merkur die Tür. Vorstandssprecher Lars Felderhoff formuliert es direkt: Die Casino-Betreiber in den USA suchen nach neuen Anbietern, um ihre Abhängigkeit von den wenigen Großen zu reduzieren. Stellvertretender Vorstandssprecher Manfred Stoffers ergänzt:
Die Eintrittsbarrieren bleiben dennoch erheblich. Verlässliche Lieferketten, tiefe Kundenbindungen und ein streng reguliertes Lizenzwesen erschweren neuen Marktteilnehmern den Zugang. Merkur begegnet diesem Problem mit der Gaming-Arts-Übernahme als strategischem Brückenkopf. Das Unternehmen verfügt bereits über ein sehr gutes Netzwerk und direkte Beziehungen zu Casino-Betreibern im ganzen Land.
Das Kerngeschäft — die Herstellung physischer Automaten — will Merkur künftig um den Verkauf und die Vermietung virtueller Spiele ergänzen, sowohl für Online Casinos mit Spielautomaten als auch für stationäre Geräte in Spielbanken.
Vom Familienbetrieb zum internationalen Konzern
Die Expansion in den Glücksspielmarkt USA ist kein isolierter Schachzug, sondern Teil einer umfassenden Neuausrichtung. Zum Jahreswechsel 2024 benannte sich die Gauselmann-Gruppe offiziell in Merkur Group um. Im Herbst desselben Jahres übergab Gründer Paul Gauselmann die Führung an den externen Manager Lars Felderhoff.
Die wirtschaftliche Basis für diesen Expansionskurs ist solide: Im Geschäftsjahr 2023 erzielte die Merkur Group einen Konzernumsatz von 2,1 Milliarden Euro, ein Plus von 7,5% gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 peilt Felderhoff ein Wachstum von 10% auf rund 2,3 Milliarden Euro an. Rund 15.300 Beschäftigte arbeiten weltweit für den Konzern. Neben der Automatenproduktion betreibt Merkur Spielhallen und Spielbanken, entwickelt Spiele und ist im Sportwetten-Geschäft tätig.
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