Während meines Studiums habe ich mir online eine knapp fünfstellige Poker-Bankroll aufgebaut und davon geträumt, Profi zu werden. Mehr als zehn Jahre später sitze ich im Uber auf dem Weg in das Casino Estoril, um dort das Main Event beim Estoril Poker Fest 2026 zu spielen. Schon nach dem zweiten Spieltag steht fest: Es ist das größte Live-Pokerturnier, das es bisher in Portugal gegeben hat, und der Beginn meiner Pokertour durch die portugiesische Casinolandschaft.
Das Pokerevent auf einen Blick:
- Event: Estoril Poker Fest 2026 Main Event
- Ort: Casino Estoril
- Buy-in: 500 Euro (430 + 70 Gebühr)
- Day 1A: 300 Spieler
- Day 1B: 600 Spieler
- Day 1C: 820 Spieler
- Startstack: 50.000 Chips, Blinds 100/200 + 1 BB Ante, 30 Min/Level
- Sponsor: Winamax
Über das Poker Fest 2026 im Casino Estoril

Das Estoril Poker Fest 2026 lief vom 12. bis 17. Mai und war bereits nach zwei Turniertagen das größte Live-Pokerturnier, das es bisher in Portugal gegeben hat. Über zwei Millionen Euro Preisgeld, 20 Turniere im Programm, Buy-ins von 100 bis 1.000 Euro.
Das Main Event wurde 6-Max gespielt, die Vorrunden verteilten sich auf vier Start-Tage. Day 1A startete mit knapp 300 Spielern, Day 1B mit fast 600. Für Day 1C, also meinen Tag, hatte der Veranstalter im Vorfeld über 1.000 Teilnehmer angekündigt. Tatsächlich kamen 820 zusammen.
Meine Turniervorbereitung
Den Profi-Traum hat irgendwann der Job ersetzt, das Pokern selbst hat mir noch Spaß gemacht, aber meine Prioritäten lagen woanders. Während Corona habe ich wieder mehr gespielt, aber eher kleinere Sit and GOs. Live-Turniere mit mehr als 1000 Teilnehmern sind auch bei mir bisher eine Ausnahme.
Zur Einstimmung auf das Turnier habe ich Phil Gordons „Little Green Book” ausgekramt und auf dem Flug von Berlin nach Lissabon durchgelesen. Schon nach den ersten Kapiteln stand mein Plan für das Turnier: wenige Hände, dafür konsequent, pre-flop diszipliniert, post-flop aggressiv, sobald die Position passte.
Ablauf der Registrierung vor Ort
Online-Registrierungen waren nur bis zum 8. Mai möglich, das hatte ich erst am 9. Mai gesehen, da war die Frist bereits abgelaufen. Ein Blick auf den Instagram-Account des Casino Estoril klärte die Sache: Walk-in am Spieltag funktioniert genauso. Also einfach hinfahren, registrieren und mitspielen.
Als ich aus dem Uber stieg, fielen mir direkt die vielen Parkplätze auf. Das Casino Estoril ist eines der größten Spielcasinos in Europa. Neben dem Spielbetrieb gibt es regelmäßig Konzerte, und es diente schon als Kulisse für einen James-Bond-Film. Ich ging einmal um das gesamte Casino herum und suchte nach dem Eingang. Dort erfuhr ich von einem Security-Mitarbeiter, dass das Casino um 12h für die Registrierung öffnet.

Im Jackpot-Café gleich gegenüber habe ich erstmal einen Kaffee getrunken und nebenher den Stream vom Vortag angesehen. Chipleader war zu dem Zeitpunkt kein Geringerer als Gus Hansen.
Ein Konzertsaal als Pokerarena
Punkt zwölf öffneten die Türen des Casinos und die Registrierung ging los. Ich musste meinen Ausweis vorzeigen, das Buy-in zahlen und erhielt ein Receipt mit Tischnummer und Platz. Diese Nummer musste man bei jedem Tischwechsel mitnehmen und sichtbar auf den Tisch legen.
Für das Pokerturnier wurde der Konzertsaal in eine Pokerarena verwandelt. Als ich den gut ausgeleuchteten Saal um 12:30 betrat, saßen bereits alle Dealer an den zahlreichen Pokertischen und warteten auf die Spieler. Auf der Hauptbühne befand sich ein Tisch, der noch heller ausgeleuchtet war als der Rest. Das war der Featured Table für den Livestream. Nach einer kurzen Begrüßung von Pokerprofi João Vieira startete das Turnier.

Mein erster Tisch war international gemischt: zwei Portugiesen, drei Franzosen und ich. Insgesamt war das Teilnehmerfeld stark französisch geprägt. Am Tisch wurde überwiegend Französisch gesprochen, in den Pausen wechselte alles zwischen Portugiesisch, Französisch und ein paar Wortfetzen Englisch. Das Niveau reichte vom routinierten Live-Grinder bis zum Recreational, der jede zweite Hand mitnimmt. Die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Wer keinen Pullover dabei hatte, hat ihn spätestens am Nachmittag vermisst.
AJ vs. AK – meine erste interessante Hand
Bis zur zweiten Pause habe ich nichts Spektakuläres gespielt. Mein Stack lag knapp unter dem Start. Dann kam die erste interessante Hand: AJ-suited, ich erhöhe preflop, ein Spieler im Big Blind kommt mit einer 3-Bet. Ich calle. Flop: J-10-3 rainbow. Top Pair, Top Kicker. BB checkt zu mir, ich setze ca. die Hälfte des Pots, mein Gegner geht all-in und ich calle. Er zeigt AK. Turn und River bleiben harmlos, mein Stack verdoppelt sich und mein Gegner kauft sich nochmal im Turnier ein.
Chipleader und Tischwechsel
Zur dritten Pause stand mein Stack im oberen Drittel des Tisches. 402 von 820 Spielern waren noch dabei. Eine Hand gegen den portugiesischen Pokerprofi Sergio Dantes bleibt mir besonders im Kopf: Ich bekomme im SB A♦8♥ und attackiere den BB mit 3BB. Er callt, der Flop zeigt 6♦4♠A♠.
Ich treffe Top Pair und bin als erster am Zug. Ich folge mit einer Continuation Bet von ca. 8.000 (4 BB), mein Gegner callt. Vom BB kann er eine weite Range spielen, und ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits wilde Hände an meinem Tisch gesehen.
Auf dem Turn kommt Qâ™ . Ich bin wieder als erster an der Reihe und setze 10.000 in Chips. Mein Gegner reraist auf 20.000 und geht damit all-in. Ich bin zu diesem Zeitpunkt an meinem Tisch der Chipleader und denke mir: „Die 10.000 mehr tun mir auch nicht weh, und Top Pair werde ich hier nicht folden.” Nach meinem Call zeigt Dantes A♣6♣ und liegt damit vorne. Auf dem River kommt zu meinem Glück noch eine Q♣, und ich gewinne durch den höheren Kicker. Dantes verlässt das Turnier.
Mit dem AJ-Double und dem Dantes-KO war ich deutlicher Chipleader an meinem Tisch und fühlte mich ganz wohl. Kurze Zeit später wurde der Tisch aufgelöst und ich musste an einen neuen wechseln.

Die Euphorie vom dominierten Vortisch nahm ich mit, das Reading der neuen Gegner musste ich aber von null aufbauen. Genau diese Mischung, hohes Selbstvertrauen und Null-Information über die neuen Spieler, war im Nachhinein der Vorbote des Fehlers, der ein paar Stunden später kam.
Dinnerbreak und falsche Entscheidungen
Zum Dinnerbreak gegen 21:00 waren noch 244 von 820 Spielern dabei und mein Chipstack lag bei ca. 174.000. Vor der Halle standen verschiedene Foodtrucks mit langen Schlangen. Eigentlich wollte ich einen Salat essen, doch als ich an der Reihe war, war alles ausverkauft. Beim Pizza-Truck war noch eine recht lange Schlange, aber bei dem Burger-Wagen war nur wenig los. Also entschied ich mich für einen Burger.


Im Nachhinein die teuerste Mahlzeit des Tages. Als ich wieder am Pokertisch saß, lag mir das Ding bleiern im Magen. Dann kam der Fehler. Ein Shortstack ging all-in. Ich hatte A6 suited im SB, im Kopf lief die schnelle Rechnung: „Gegen einen Shortstack-Push reicht das.” Also call. Was ich in dem Moment komplett ausgeblendet habe: UTG war noch ein Limper in der Hand und ging ebenfalls All-In. Statt jetzt zu folden, habe ich auch den zweiten Call gemacht. UTG hat AKo, BTN K10o und ich A6s. Wir trafen beide auf ein Ass im Flop, aber mit dem schwachen Kicker hatte ich am Ende keine Chancen. Mehr als die Hälfte des Stacks war weg, bevor mein Kopf wieder am Tisch ankam.
Tisch 3: Shortstack und Day 1C Bubble
Nachdem ein paar weitere Shortstacks ausgeschieden waren, gab es den nächsten Tischwechsel für mich. Der dritte Tisch war der härteste des Tages. Hier saßen mehrere erfahrene Live-Spieler, unter ihnen Mauro Ferreira, ein portugiesischer Profi, der vor einigen Jahren beim EPT Barcelona einen dritten Platz erreicht hatte.
Mein Stack pendelte sich bei 70.000 ein, bei Blinds von 7.000. Zehn Big Blinds, die klassische Shove-Zone. Die guten Hände blieben aus, die Blinds fraßen weiter, und das Field rutschte in den Bubble-Modus. Ungefähr 15 Spieler trennten uns vom Cut.
Irgendwann musste ich pushen. Auf dem BTN bekam ich A5s – alle Spieler vor mir folden. Ich gehe all-in, und Ferreira im BB callt mit KJo. Er trifft auf dem Flop einen K und hat damit am Ende die bessere Hand. Ich packe meine Sachen und scheide am Ende auf Platz 140 von 820 nach insgesamt zwölf Stunden am Tisch aus.
Mein Fazit zum Pokerturnier in Estoril
Auch wenn ich Day 2 verpasst habe, hat sich der Tag im Casino Estoril gelohnt. Das Niveau wurde mit jedem Blind-Level höher, wie der abschließende Final Table am Sonntag bestätigt hat. Hugues Mazerolle aus Frankreich gewann das Main Event und nahm 100.000 Euro Preisgeld mit. Auf Platz zwei landete der Portugiese José Quintas mit 74.000 Euro. Dritter wurde João Pedro Ferreira mit 52.000 Euro, Vierter Dylan Lauret mit 38.000 Euro, Fünfter Hugo Soares mit 28.000 Euro, der nach Day 1A noch das gesamte Restfeld geführt hatte.
Im parallel laufenden High Roller saß der belgische Triple-Crown-Sieger Davidi Kitai am Final Table, also einer der wenigen Spieler weltweit, der WSOP, WPT und EPT gewonnen hat.
Was ich für die nächsten Turniere auf meiner Pokertour durch Portugal mitnehme: etwas wärmere Kleidung gegen die AC, leichte Snacks für die Dinner-Pause und Turniere mit einem etwas kleineren Teilnehmerfeld. Neben Turnieren werde ich auch mal das Niveau bei den Cash-Game Tischen checken und dort etwas grinden.
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