Volljährig, aber zu jung, um selbst zu spielen. Mit 18 stand er am Roulette und Blackjack einer staatlichen Spielbank in Süddeutschland und hat Chips über den Tisch geschoben, die er selbst nicht hätte setzen dürfen. Sechs Fragen, fünf Minuten, Geschichten direkt vom Filz.
Spielbank.com.de Interview
- Dealen ab 18, spielen erst ab 21. Wie verrückt ist das?
- Wer abends wirklich an seinem Tisch saß.
- Die Nacht, in der ein Mann alles abräumte.
- Der eine Moment, der ihn bis heute nicht loslässt.
- Würde er es nochmal machen? Ehrliche Antwort.
- Was er seinen Eltern bis heute nie erzählt hat.
„Wenn dir die erste Person 10.000 Euro über den Tisch schiebt, damit du das in Chips wechselst, denkst du dir: Nicht schlecht, nicht schlecht.”
Anna: Mit 18 stand er schon am Casinotisch, mit 21 hätte er erst spielen dürfen. Name geheim, Stimme verfremdet, keine Ausreden. Du darfst mit 18 im Casino arbeiten, aber spielen erst mit 21. Fühlt sich das nicht komisch an?
Anonym: Ja, das fühlt sich am Anfang schon erstmal komisch an. Ich meine, man ist der jüngste im Raum und muss sich erstmal den Standing von den Kunden und natürlich auch von den Kollegen erstmal erarbeiten. Bei mir war das perfekt. Bei mir ist bei der ersten Hand, die ich gespielt habe, am Blackjack Tisch direkt ein Fehler unterlaufen. Ich habe mir erstmal als Dealer zwei Karten hingelegt, aber das Casino hat relativ guten Umgang damit sobald ein Fehler passiert. Das heißt, am Anfang war es natürlich ein bisschen noch mal ein bisschen nervös, aber das hat sich doch relativ schnell gelegt.
Anna: Mal ehrlich, die meisten stellen sich am Casinotisch James Bond im Smoking vor. Wer sitzt da abends wirklich?
Anonym: Also, das ist sehr unterschiedlich. Ich würde es mal aufteilen in Mittags und abends. Also mittags sind die ältere Leute da, die kommen mal um ein bisschen Roulette zu spielen, aber auch hauptsächlich zum quatschen, Zeit vertreiben oder mal mit ein paar Kollegen da treffen. Abends ist es vollkommen unterschiedlich. Also da ist die komplette Gesellschaft vertreten von jüngeren Leuten, die zum ersten Mal da sind, von Stammspielern oder von Leuten, die das allererste Mal im Casino gehen, Junggesellen Abschiede. Es ist eigentlich so ziemlich jeder vertreten, den man sich vorstellen kann. Selbst Zuhälter, jeder ist da.
Anna: Beschreib für uns doch einen Moment, in dem jemand an deinem Tisch richtig viel gewonnen hat. Wie war die Stimmung und was ist in dir vorgegangen?
Anonym: Boah, da muss ich direkt an den Moment denken, dass ist meine erste Geschichte, die ich jemals erzähle, wenn ich irgendwelche Geschichten aus dem Casino erzähle. Also, es kam ein bisschen älterer Mann zu mir, meinen Bauern, ist zu mir am Tisch gekommen, hat mir es angeguckt und gesagt, so, hey, ich brauche meinen Traktor. Dafür brauche ich 15.000 € und dann ist 2000 € dabei. Ich habe mir das mal angeschaut und gesagt, da, das ist dann ist es die schlechteste Idee ins Casino zu kommen, aber er war relativ überzeugt davon und wollte das auch durchziehen. Dann sag ich mir gesagt, okay, komm, wir spielen das zusammen, wir kriegen das zusammen hin. Er ist jedes Mal hat aufgehört zu spielen, wenn ich in die Pause gegangen bin, und so hat er den kompletten Abend nur mit mir verbracht. Und am Ende vom Abend, das ist drei, vier Stunden gewesen sein, hat er tatsächlich die 15.000 € und das ist was, ich habe mich richtig für ihn gefreut und das ist was, für immer im Kopf bleiben wird und auch ich jedes Mal irgendwelchen Leuten erzähle oder Freunden erzähle, sobald sie mich fragen, ob ich im Casino war.
Anna: Gibt es einen Moment aus deiner Zeit am Tisch, der dir bis heute im Kopf geblieben ist?
Anonym: Es gibt natürlich sehr viele Erinnerungen, wo man irgendwie immer mit dem Casino verbindet, wenn Leute viel gewonnen haben, natürlich auch wenn Leute was verloren haben, oder wenn es zu Streitereien kam und eine Streiterei ist mir da sehr krass im Kopf geblieben, also, hier sagen wir mal für das Beispiel hier Kunde A und Kunde B. Und sie haben beide Roulette gespielt und beide gedacht, dass sie gewonnen haben. Nur leider war das halt nur der Chip von einem. Nachdem die Saalleitung selbst dann rausgegangen ist, um die Kameras zu checken und zu gucken, wem der Gewinn gehört, hat er mal, er hat jetzt Kunde B gehört, konnte der Kunde A das nicht wirklich nicht wirklich akzeptieren, war eigentlich schon auf dem Weg nach draußen, ist wieder zurückgegangen gekommen und hat ihm einen Superman Punch gegeben. Das hat man das ganze Casino gehört. Für den Fall haben wir natürlich Sicherheitskriterien oder Sicherheitsmaßnahmen, die dann eintreten, also, es wird sofort die Polizei alarmiert und es ist auch der Kunde wurde dann noch abgeführt und nach draußen gebracht.
Anna: Was hast du am Tisch erlebt, was du deinen Eltern nie erzählen würdest?
Anonym: Ja, ich würde sagen, es sind ein paar Sachen am Tisch passiert, die ich vielleicht meinen Eltern nicht erzählen würde, aber das erste, was mir hier in den Sinn kommt, ist ähm, na ja, als Croupier sitzt man da mit seinem Anzug an und das kommt dann auch schon mal vor, dass vielleicht auch mal ältere Damen vorbeikommen und einem mal vielleicht die Handynummer, Telefonnummer oder sowas zustecken oder einen über Facebook suchen. Es ist alles möglich.
Anna: Würdest du es noch mal machen, wenn du heute wieder 18 wärst oder lieber nicht?
Anonym: Ja, ich würde es auf jeden Fall wieder machen, dass ich habe auch mir die Atmosphäre im Casino sehr sehr gefallen. Ich habe es auch geliebt mit den ganzen Kunden immer zu spielen und Blackjack und Poker vor allem, das hat mir am meisten Spaß gemacht. Und natürlich, ich bin Student gewesen damals und ganz so schlecht hat man auch nicht verdient, was auch ein großer Punkt ist. Anna: Mehr ehrliche Geschichten aus der Welt der Spielbanken auf spielbanken.com.de.