Ab dem 23. März 2026 gelten bei Google Ads neue Zertifizierungsregeln für alle Glücksspiel-Werbetreibenden. Wer eine schlechte Compliance-Geschichte vorweist, riskiert künftig den Verlust seiner Zertifizierung. Und damit den Zugang zu einer der reichweitenstärksten Werbeplattformen der Welt. Google hat die Änderungen bereits im Januar angekündigt. Jetzt sind sie in Kraft.
Was sich konkret geändert hat
Google hat seine Richtlinie für Glücksspiele und andere Spiele zum 23. März 2026 um drei zentrale Punkte erweitert.
Erstens müssen alle Accounts, die in einer Glücksspiel-Kategorie werben wollen, ab sofort eine sogenannte “gute Policy Health” nachweisen. Das bedeutet: Google bewertet nicht mehr nur, ob eine gültige Lizenz vorliegt, sondern auch die gesamte Compliance-Geschichte des Kontos.
Zweitens haften Manager Accounts (MCCs) jetzt für die Accounts, die sie verwalten. Agenturen und Netzwerke, die mehrere Glücksspiel-Konten unter einem Dach bündeln, können ihre Zertifizierungen verlieren, wenn bei verwalteten Konten systematisch Verstöße auftreten oder Zertifikate entzogen werden.
Drittens hat Google die bereits bestehenden Domain-Anforderungen nochmals ausdrücklich eingeschärft.
Policy Health: Das neue Nadelöhr
Bis dato war die Google-Zertifizierung für Glücksspielwerbung weitgehend ein statischer Prozess. Wer die richtigen Unterlagen vorlegte und geografisch in ein zugelassenes Land passte, bekam grünes Licht.
Das hat sich grundlegend geändert. Google bewertet jetzt das laufende Verhalten eines Accounts. Also wie oft in der Vergangenheit Anzeigen abgelehnt wurden, ob es wiederholte Verstöße gab und ob die Kampagnen insgesamt im Einklang mit den Plattformregeln stehen.
Die Zertifizierung ist damit keine einmalige Freigabe mehr, sondern eine dauerhaft zu pflegende Voraussetzung. Wer seinen Account vernachlässigt oder Grenzbereiche ausreizt, riskiert beim nächsten Verlängerungscheck den Entzug.
Manager Accounts: Agenturen tragen Mitverantwortung
Besonders relevant ist das Update für Agenturen und große Medianetzwerke, die über sogenannte MCC-Konten (Manager Client Center) mehrere Werbetreibende gleichzeitig betreuen.
Google hält diese Manager Accounts künftig mitverantwortlich. Wenn unter einem MCC in größerem Umfang Glücksspiel-Zertifikate entzogen werden oder verwaltete Konten trotz Zertifikat wiederholt gegen die Richtlinien verstoßen, verliert das gesamte MCC die Möglichkeit, neue Online-Glücksspiel-Zertifikate zu beantragen.
Bestehende Zertifizierungen können in solchen Fällen ebenfalls widerrufen werden. Für Agenturen mit mehreren iGaming-Kunden ist das ein erheblicher Haftungsfaktor.
Domain-Anforderungen: Keine Graubereiche mehr
Google hat außerdem klargestellt, unter welchen Domain-Bedingungen eine Zertifizierung grundsätzlich ausgeschlossen ist. Diese Regeln existierten bereits, werden aber jetzt ausdrücklich betont.
- Kostenlose Hosting-Plattformen: Seiten, die auf Free-Hosting laufen, sind von der Zertifizierung ausgeschlossen.
- Fremd-Subdomains: Wer über eine Subdomain einer fremden Drittanbieter-Plattform wirbt, kommt nicht durch den Antrag.
- Kein Glücksspielbezug: Domains ohne erkennbaren inhaltlichen Bezug zu Glücksspiel werden abgelehnt.
- Nicht eigene Second-Level-Domain: Die beworbene Domain muss dem Werbetreibenden selbst gehören und von ihm betrieben werden.
Googles automatisierte Systeme prüfen diese Kriterien inzwischen ohne manuelle Prüfung im Vorfeld. Wer eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, wird abgelehnt, bevor ein Mensch den Antrag überhaupt zu Gesicht bekommt.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Deutschland gilt bei Google weiterhin als erlaubter Markt für Sportwetten, Online Casinos, Lotterien, virtuelle Automatenspiele und Online Poker. Voraussetzung bleibt eine gültige Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
Das neue Update trifft den deutschen Markt damit weniger hart als viele andere Länder. Die GGL-Lizenzbindung und die damit verbundenen Compliance-Anforderungen sind seit Jahren etabliert. Wer als legales Online Casino in Deutschland operiert und seine GGL-Auflagen konsequent erfüllt, dürfte die neue Policy-Health-Anforderung ohne größere Probleme bestehen.
Anders sieht es für Anbieter aus, die bislang in Grauzonen gearbeitet haben. Google schließt mit dem Update eine Lücke, durch die Accounts mit wiederholten Verstößen trotz bestehender Zertifizierung weiter Werbung schalten konnten.
Affiliates und Vergleichsseiten: Was bleibt erlaubt?
Für Affiliate-Seiten und Vergleichsportale ändert sich inhaltlich wenig. Google erlaubt weiterhin Werbung für Aggregator-Angebote, die Informationen oder Vergleiche zu Glücksspieldiensten liefern.
Dabei gilt aber eine klare Grenze: Solche Seiten dürfen keine eigenen Glücksspiel-Angebote vorhalten und nicht auf eigene Casino-Dienste verlinken. Sie dürfen außerdem nur Produkte bewerben, die in den jeweiligen Zielländern legal sind.
Relevant bleibt in diesem Zusammenhang, welche Anbieter überhaupt für den deutschen Markt zugelassen sind. Die offizielle GGL-Whitelist listet alle aktuell lizenzierten Betreiber und wird regelmäßig aktualisiert.
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