Der Glücksspiel-Survey 2025, durchgeführt vom ISD Hamburg und der Universität Bremen, liefert die umfassendsten aktuellen Daten zum deutschen Spielmarkt. 36,4% der Befragten spielen um Geld, 2,2% gelten als spielsüchtig. Erstmals untersucht die Studie auch Daytrading als suchtähnliches Verhalten.
Glücksspiel-Survey 2025: 5 schnelle Fakten
- Umfangreiche Datenbasis: Zwischen August und November 2025 wurden 12.340 Interviews ausgewertet.
- Aktuelle Teilnahmequote: 36,4% der Befragten im Alter von 16 bis 70 Jahren haben in den letzten zwölf Monaten um echtes Geld gespielt.
- Problemquote: 2,2% der 18- bis 70-Jährigen weisen eine glücksspielbezogene Störung auf. Leicht gesunken gegenüber 2,4% im Jahr 2023.
- Höchstes Risiko: Spieler zwischen 18 und 25 Jahren sind mit einer Problemquote von 4,6% am stärksten gefährdet.
- Neuer Trend Daytrading: 6,5% der Befragten betreiben kurzfristigen Börsenhandel. Unter den regelmäßigen Daytradernzeigen 12,1% suchtähnliche Verhaltensmuster.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
Die Forschergruppe rund um Dr. Sven Buth, Dr. Jens Kalke, Moritz Rosenkranz (alle ISD) und Prof. Dr. Gerhard Meyer (Universität Bremen) hat tiefgehende Einblicke in den deutschen Glücksspielmarkt gewährt. Finanziell gefördert durch den Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB), beleuchtet die Studie sowohl legale als auch bedenkliche Aspekte des Spielens.
Ein zentrales Ergebnis: Die absolute Mehrheit der Deutschen spielt moderat und ohne Anzeichen problematischen Verhaltens. Traditionelle Lotterien dominieren nach wie vor den Markt. Am beliebtesten ist der Klassiker LOTTO 6aus49, an dem 18,3% der Bevölkerung teilnehmen, dicht gefolgt vom Eurojackpot mit 13,8%.
Diese klassischen Zahlenlotterien gelten aufgrund ihrer langsamen Taktung und fehlenden Interaktivität als sehr risikoarm. Sobald sich das Spielgeschehen jedoch in den digitalen Raum verlagert oder eine hohe Ereignisfrequenz aufweist, steigen die Gefahren rapide an.
Risikogruppen und problematisches Spielverhalten
Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 leiden aktuell 2,2% der 18- bis 70-Jährigen unter einer glücksspielbezogenen Störung. Eingestuft nach den international anerkannten DSM-5-Kriterien. Die demografische Verteilung ist dabei keineswegs homogen. Männer spielen wesentlich häufiger um Geld als Frauen und sind gleichzeitig deutlich anfälliger für Suchterkrankungen. Der Anteil der Männer mit einer glücksspielbezogenen Störung liegt bei 3,2%, der der Frauen bei 1,1% .
Die Kombination aus ständiger Verfügbarkeit durch Smartphones und gezieltem Marketing hat besonders bei jüngeren Menschen spürbare Auswirkungen hinterlassen. Spieler zwischen 18 und 25 Jahren stellen mit einer Problemquote von 4,6% die größte Risikogruppe dar. Bei den 56- bis 70-Jährigen liegt dieser Wert hingegen bei lediglich 0,8%. Experten sehen hier dringenden Handlungsbedarf im Bereich Prävention und Aufklärung.
Diese Spielformen bergen die höchste Suchtgefahr
Nicht jedes Spiel ist gleich gefährlich. Der Survey differenziert präzise nach Spielarten und zeigt, wo Spielerschutzmaßnahmen am dringendsten gebraucht werden:
| Glücksspielform | Anteil der Spieler mit glücksspielbezogener Störung |
|---|---|
| Virtuelle Automatenspiele (Online-Slots) | 32,5 % |
| Glücksspielautomaten (Spielbanken/Spielhallen) | 28,1 % |
| Live-Sportwetten | 27,0 % |
| Geldspielautomaten | 23,4 % |
| Klassische Lotterien (z. B. 6aus49) | Unter 1,0 % |
Online Automatenspiele um Echtgeld sind mit einer Problemquote von 32,5% unter den aktiven Nutzern die gefährlichste Spielform in Deutschland. Aber auch die Suchtgefahr bei Sportwetten bleibt, insbesondere durch die Möglichkeit, während laufender Spiele Wetten zu platzieren, extrem hoch. Bemerkenswert ist zudem, dass selbst Geldspielautomaten – häufig als weniger gefährlich eingestuft – eine Problemquote von 23,4% aufweisen.
Neu im Fokus 2025: Daytrading und Glücksspiel
Ein völlig neuer Ansatz des aktuellen Berichts ist die erstmalige Untersuchung von spekulativen Finanzprodukten. Die Trennlinie zwischen Daytrading und Glücksspiel wird zunehmend unschärfer. Hochriskante Derivate, Krypto-Trading und gehebelte Finanzprodukte sprechen dieselben Belohnungssysteme im Gehirn an wie ein virtueller Spielautomat.
6,5% der Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten am Daytrading teilgenommen zu haben. Noch alarmierender: Unter den Personen, die mindestens einmal im Monat daytradeten, erfüllen 12,1% die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung. Diese starke Überschneidung mit klassischem Glücksspiel zwingt Regulierungsbehörden dazu, den Anlegerschutz künftig stärker durch die Linse der Suchtprävention zu betrachten.
Spielerschutz, Schwarzmarkt und Methodendebatte
Der regulierte Markt generiert in Deutschland einen legalen Bruttospielertrag von rund 14,4 Milliarden Euro – rund 5% mehr als im Vorjahr. Demgegenüber steht ein auf illegalen Internetseiten erzielter Bruttospielertrag, der auf etwa 500 bis 600 Millionen Euro geschätzt wird. Branchenvertreter weisen allerdings darauf hin, dass der gesamte Schwarzmarkt ein weitaus größeres Volumen von drei bis sechs Milliarden Euro umfassen dürfte.
Im Schwarzmarkt werden sämtliche Spielerschutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits oder das Sperrsystem OASIS konsequent umgangen. Der Survey belegt außerdem eine wachsende Akzeptanz von Schutzmaßnahmen in der Bevölkerung. 91,9% befürworten das Teilnahmeverbot für Minderjährige, 88,5% die Aufklärung über Suchtgefahren und 81,1% verpflichtende Warnhinweise.
Die Vorgänger-Surveys von 2021 und 2023 standen unter Methodenkritik. Ein wissenschaftliches Gutachten bemängelte die Repräsentativität der Datengrundlage. Ob der Survey 2025 diese Schwächen behebt, bleibt abzuwarten. Die Kritiker aus Branchen- und Forschungskreisen verfolgen die aktuelle Erhebung entsprechend aufmerksam.
Fazit: Wie wirksam ist der Glücksspielstaatsvertrag?
Der Glücksspiel-Survey 2025 zieht eine gemischte Bilanz. Einerseits greifen wichtige Regulierungen, und die überwiegende Mehrheit der Deutschen praktiziert ein harmloses Freizeitvergnügen. Andererseits belegen die hohen Suchtquoten bei virtuellen Automatenspielen und Live Sportwetten, dass die strikte Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags essenziell bleibt.
Die Erkenntnisse von ISD Hamburg und Universität Bremen mahnen die Politik, bestehende Lücken im Online-Bereich zu schließen und Phänomene wie Daytrading stärker in Präventionsstrategien einzubinden. Wie einzelne Bundesländer dabei eigene Wege gehen, zeigt etwa das Beispiel Online Glücksspiel in Baden-Württemberg.
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