Kann man beim Glücksspiel Geld zurückholen?

Geldscheine und Spieltisch.

Online Casino Geld zurück geht bis zu 10 Jahre rückwirkend. Rückforderungen von Online Casinos verjähren nach 10 Jahren.

Immer wieder sind Berichte davon zu lesen, dass Online Casinos Spielern die Verluste zurückerstatten müssen. Es vergeht fast keine Woche, in der keine neue Meldung die Runde macht, dass sich Spieler beim Glücksspiel Geld zurückholen. Mit dem EuGH-Urteil vom April 2026 hat diese Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wann bestehen solche Erstattungsansprüche, wie haben die Gerichte geurteilt und wie sieht die aktuelle Rechtslage aus?

Rechtslage und Rückforderungsmöglichkeiten

Seit dem Inkrafttreten des aktuellen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV 2021) am 1. Juli 2021 wurde das Online Glücksspiel in Deutschland zum Teil legalisiert.

Vorher waren Online Casinos illegal. Dies hielt viele Casino-Anbieter nicht davon ab, ihre Spiele hierzulande anzubieten und zu bewerben. Wer bei einem solchen Glücksspielanbieter gespielt und Verluste erzielt hat, kann unter Umständen die Glücksspiel Verluste zurückholen.

Die Rechtsgrundlage bildet unter anderem das BGB. Nach § 134 BGB sind nämlich alle Verträge über illegale Waren und Dienstleistungen nichtig: Der Vertrag zwischen dem Spieler und dem Betreiber des Online Casinos ist somit unwirksam.

Beim Glücksspiel Geld zurückholen: Aktuelle Entwicklungen

Seit der Legalisierung der Online-Glücksspiele und dem Bekanntwerden, dass die Möglichkeit einer Rückforderung besteht, rollen auf Online Casinos und Wettanbieter zahllose Klagen zu. Diverse Anwaltskanzleien haben sich auf die Klagen gegen Casinos spezialisiert und werben teils aggressiv für ihre Dienste. Die wichtigsten Entscheidungen und laufenden Verfahren im Überblick.

EuGH-Urteil vom 16. April 2026: Spieler können Verluste zurückfordern

Der Europäische Gerichtshof hat in der Rechtssache C-440/23 (bekannt als Lottoland-Verfahren) am 16. April 2026 ein Grundsatzurteil gefällt, auf das die Branche jahrelang gewartet hatte. Die Verhandlung fand bereits im April 2025 statt, die Schlussanträge des Generalanwalts folgten im September 2025. Das Ergebnis fiel in allen zentralen Punkten zugunsten der Spieler aus:

  • Kein Verstoß gegen EU-Recht: Das frühere deutsche Verbot von Online-Casinospielen war mit der Dienstleistungsfreiheit vereinbar. Jeder Mitgliedstaat darf sein Schutzniveau beim Glücksspiel selbst festlegen.
  • Verträge sind nichtig: Deutsche Gerichte dürfen Spielverträge mit nicht lizenzierten Anbietern für nichtig erklären und Spielern die Rückzahlung ihrer Verluste zusprechen.
  • Kein Rechtsmissbrauch: Dass ein Spieler freiwillig an verbotenem Glücksspiel teilgenommen hat, steht seinem Rückzahlungsanspruch nicht entgegen.

Damit ist das Hauptargument der Anbieter, ihre EU-Lizenz aus Malta schütze sie vor deutschen Rückforderungen, endgültig vom Tisch. Zahlreiche Verfahren, die in Erwartung dieser Entscheidung ausgesetzt waren, werden nun fortgesetzt.

BGH macht Online-Casino-Rückforderung zum Leitentscheidungsverfahren

Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren I ZR 216/25 zum Leitentscheidungsverfahren erklärt: Ein Spieler fordert gut 10.000 Euro von einem Anbieter zurück, der nur über eine maltesische Lizenz verfügte. Die Vorinstanzen gaben dem Spieler recht. Die mündliche Verhandlung ist für den 17. September 2026 angesetzt. Mit dem Urteil wird die erste höchstrichterliche Klärung für Online-Casino-Verluste erwartet, an der sich tausende laufende Verfahren orientieren werden.

Bei den Online-Sportwetten ist die Lage noch offen: Das BGH-Verfahren gegen Tipico (I ZR 90/23) liegt als Vorlage beim EuGH (C-530/24). Der BGH hat allerdings bereits erkennen lassen, dass er zur Rückzahlungspflicht tendiert, da dem Anbieter im maßgeblichen Zeitraum die deutsche Lizenz fehlte.

Landgerichte verurteilen Tipico zur Rückzahlung von Verlusten aus Online-Sportwetten

Schon vor diesen Grundsatzverfahren haben deutsche Gerichte in mehreren Urteilen entschieden, dass der Sportwettenanbieter Tipico Verluste aus Online-Sportwetten zurückzahlen muss. Die Fälle belegen die klare Rechtslage bei illegalem Glücksspiel vor Juli 2021 und zeigen die hohen Erfolgschancen für betroffene Spieler.

  • LG Lüneburg (29.01.2025), 55.200€: Ein Spieler verlor zwischen 2014 und 2019 viel Geld über Tipicos deutschsprachige Website, darunter auch 400€ während eines Dänemark-Aufenthalts. Selbst Wetten aus Dänemark begründeten keinen Rechtsgrund für Tipico, da der Spieler seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hatte.
  • Landgericht Bielefeld (20.03.2025), 864.000€: Ein Spieler verlor diese Summe bei Online-Casinospielen und Sportwetten über Tipico. Da 113.000€ im Ausland verspielt wurden, reduziert sich die Rückzahlungspflicht auf 751.000€.
  • Landgericht Saarbrücken (19.03.2025), 28.000€: Diese Verluste entstanden zwischen 2016 und 2020 durch Online-Sportwetten. Tipico fehlte die deutsche Lizenz, und die Einzahlungslimits (max. 1.000 €/Monat) wurden ignoriert, sodass der Anbieter zur Rückzahlung verurteilt wurde.

Dies sind nur einige der Urteile, die Tipico betreffen, denn es gibt eine regelrechte Klagewelle gegen den Glücksspielanbieter.

OLG Brandenburg: Mitverschulden der Spieler zählt nicht

Das Oberlandesgericht Brandenburg hat im Juni 2025 (2 U 24/25) die Position der Spieler weiter gestärkt: Der Einwand des Anbieters, der Spieler habe durch seine freiwillige Teilnahme eine Mitschuld an den Verlusten, greift nicht. Verträge mit nicht lizenzierten Anbietern sind regelmäßig nichtig, die Verluste sind zu erstatten. Diese Linie hat der EuGH mit seiner Absage an das Rechtsmissbrauchs-Argument inzwischen bestätigt.

OLG Stuttgart bestätigt Verjährung von Rückforderungsansprüchen bei Online-Glücksspiel

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat in mehreren Grundsatzurteilen die Verjährungsfristen für die Rückforderung von Online-Glücksspielverlusten präzisiert.

  • 5 U 101/23 (24.05.2024): Das OLG Stuttgart bestätigte die 10-jährige Verjährungsfrist für Rückforderungen von Verlusten bis 2014. Das Gericht wies die Klage eines Spielers, der zwischen 2013 und 2019 knapp 9.084€ an einen maltesischen Anbieter verloren hatte, nicht ab, da der Anspruch noch nicht verjährt war.
  • 5 U 149/23 (12.04.2024): Hier urteilte das OLG, dass Einzahlungen vor 2020 verjährt sind, wenn der Spieler die Illegalität des Anbieters kannte oder hätte kennen müssen. Die 3-jährige Verjährung begann mit der Kenntnisnahme.
  • 5 U 89/24 (31.01.2025): Das Gericht bekräftigte erneut die 10-jährige Verjährungsfrist bei Verstößen gegen § 4 GlüStV. Es betonte, dass die Bereicherung des Anbieters durch unerlaubte Handlungen (§ 823 BGB) auch nach Verjährung des Schadensersatzanspruchs über § 852 BGB rückgängig gemacht werden kann.
⏰ Wichtig: 2026 läuft die Zeit für Altansprüche

Die 10-Jahres-Frist nach § 852 BGB läuft taggenau ab der jeweiligen Einzahlung. Wer also beispielsweise im Jahr 2016 bei einem damals illegalen Anbieter eingezahlt hat, verliert seine Ansprüche im Laufe des Jahres 2026. Betroffene mit Verlusten aus der Zeit vor Juli 2021 sollten ihre Ansprüche zeitnah prüfen lassen.

OLG Hamm urteilt zur Rückzahlung von Spieleinsätzen bei Online-Glücksspiel

Auch das Oberlandesgericht Hamm hat bereits mehrere Urteile rund ums Geld zurückholen beim Glücksspiel gefällt. Hier die wichtigsten von ihnen:

  • 21 U 116/21 (Urteil vom 21.03.2023): Eine Spielerin forderte 60.595,95€ zurück, die sie bei einem Online Casino ohne deutsche Lizenz verloren hatte. Das Gericht urteilte, dass die Verträge nichtig waren und dass das Casino das Geld zurückzahlen muss.
  • 21 U 45/23 (Urteil vom 09.01.2024): Ein Spieler verlangte 15.000€ zurück, die er 2018-2020 bei einem maltesischen Anbieter verloren hatte. Das Gericht sprach dem Kläger eine teilweise Rückzahlung zu. Es bestätigte die Rückforderung, reduzierte jedoch die Zinsansprüche für Zahlungen vor September 2022.

Voraussetzungen für eine Rückforderung

Wer beim Glücksspiel Geld zurückholen möchte, kann dies nur tun, wenn gewisse Bedingungen gegeben sind.

  • Fehlende Lizenz: Das Online Casino hat keine Lizenz der Gemeinsamen Glückspielbehörde der Länder. Es bietet seine Spiele somit hierzulande illegal an.
  • Unwissenheit: Der Spieler wusste nicht, dass es sich um ein illegales Online Casino handelt. Wer bewusst in einem Casino ohne Lizenz spielt, könnte sich strafbar machen und mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
  • Verjährungsfrist: Ansprüche lassen sich über § 852 BGB bis zu zehn Jahre rückwirkend geltend machen, gerechnet taggenau ab der jeweiligen Einzahlung.

Können Spieler gegen Zahlungsanbieter vorgehen?

In dieser Hinsicht ist die Gesetzeslage heutzutage eindeutig: § 4 Abs. 1 S. 2 GlüStV 2021 besagt diesbezüglich:

“Das Veranstalten und das Vermitteln ohne diese Erlaubnis (unerlaubtes Glücksspiel) sowie die Mitwirkung an Zahlungen im Zusammenhang mit unerlaubtem Glücksspiel sind verboten.”

Bei Zahlungen, die vor dem Inkrafttreten der GlüStV 2021 an ein Online Casino erfolgten, sehen die Erfolgsaussichten eher gering aus. Es liegt zwar ein Urteil des Landgerichts Ulm vor, in dem der Zahlungsdienstleister PayPal im Dezember 2019 zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt wurde. Allerdings gehen Experten davon aus, dass dieses nicht rechtskräftige Urteil in der höheren Instanz aufgehoben wird.

Das können Spieler tun

Ganz sind den Spielern die Hände aber trotzdem nicht gebunden. Wollen sie beim Glücksspiel Geld zurückholen, können sie zum Beispiel bei einer Kreditkartenzahlung an einen illegalen Glücksspielanbieter das Kreditkarteninstitut kontaktieren und eine Rückbuchung des Betrags (Chargeback) veranlassen, und zwar innerhalb von acht Wochen nach getätigter Zahlung.

Chargeback gibt es auch bei Zahlungsdiensten wie PayPal, Trustly und Klarna. Dieses Verfahren wird häufig bei fehlerhaften oder unrechtmäßigen Transaktionen angewendet und kann auch in Fällen von Überweisungen an illegale Online Casinos zum Tragen kommen.

Am besten Finger weg von illegalen Casinos

Trotz der spielerfreundlichen Rechtsprechung ist jede Klage eine Einzelfallentscheidung. Es ist keinesfalls gesagt, dass ein Spieler seine Verluste wieder erstattet bekommt. Im schlimmsten Fall folgen jahrelange Rechtsstreitigkeiten, die Zeit und Nerven kosten.

Um gar nicht erst in eine solche Situation zu kommen, sollten Glücksspielfans legale Online Casinos in Deutschland präferieren. Diese sind an der Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde zu erkennen sowie an dem Eintrag in der offiziellen Whitelist der Regulierungsbehörde.

Lizenzierte Echtgeld Online Casinos dürfen nicht nur legal ihre Spiele in Deutschland anbieten, sie gewährleisten sichere Rahmenbedingungen für ihre Spieler. Bei den Anbietern mit GGL-Lizenz gibt es keine Casinos, die nicht zahlen, keine Gefahr der manipulierten Zufallsgeneratoren und kein Risiko von Datendiebstahl.

Avi Fichtner - Gründer und Redakteur von
  spielbank.com.de
Avi Fichtner Gründer und Redakteur von spielbank.com.de Aktualisiert: 04.06.2026

Avi Fichtner hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Aus dem Interesse an Casino Spielen und Poker entstand ein Startup, das heute ein erfolgreiches Unternehmen im Glücksspiel-Bereich ist. Avi und sein Team testen professionell Online Casino Anbieter und teilen ihre persönlichen Erfahrungen. Avi lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Berlin und ist passionierter Taucher und Ausdauersportler.